Fernsehbeitrag auf N 3 vom 12.04.05 um 21.00 h , Titel: Paroli

Thema: Krach um Kot und Köter

Die leider in der jüngeren Vergangenheit immer wieder vorgekommenen Beißunfälle mit den unterschiedlichsten Hunde-Rassen hat die Politik wieder auf den Plan gerufen. Das Polit-Magazin Paroli mit Gaby Bauer und Susanne Stichler auf N3 hatte am Dienstag, den 12.04.05 das Thema Kot und Köter“. Ich nehme dieses zum Anlass, meine Meinung darüber zu äußern.

Die Diskussion fand zwischen Michael Neumann, SPD-Fraktionschef in Hamburg und Thomas Schröder vom Deutschen Tierschutzbund statt. In dem Einspieler zur Diskussion wurde die Zahl der Hunde in Deutschland mit 5 Millionen beziffert, die täglich 1,5 Millionen kg Kot hinterlassen. Jeden Tag würde einer dieser Hunde ausrasten und zubeißen. An vielen öffentlichen Plätzen gilt Leinenzwang, ohne Erfolg.

Die Frage an Herrn Neumann, gehören Hunde an die Leine? Herr Neumann antwortete mit ja. In Ballungsgebieten wie Hamburg und ähnlichen Städten, wo viele junge und alte Menschen, Hundehalter sowie Jogger etc. auf engem Raum zusammenleben, müssten klare Regeln gelten, die auch durchgesetzt werden müssten. Allerdings müssten Freilaufzonen für die Hunde geschaffen werden. Er sprach von Rücksichtnahme untereinander.

Herr Schröder konterte mit der Begründung,  Hundeauslaufflächen entsprechen nicht einer artgerechten Hundehaltung und widersprechen somit dem Tierschutzgesetz. Es könne nicht angehen, dass wegen einiger weniger verantwortungsloser Hundehalter eine allgemeine Hetze auf die gesamten Hundehalter entfacht wird. Er räumte ein, dass jeder Beißunfall einer zuviel ist, man aber deshalb nicht alle Hundeliebhaber kriminalisieren könne. Das Grundproblem liegt am oberen Ende der Leine und nicht am Hund. In der Zucht passiert etwas, was mit Aggression zu tun hat  und bei den Haltern fehlt häufig die Sachkunde. Der Leinenzwang würde auch nicht das Kot-Problem beseitigen.

Eine Kinder-Chirurgin erläuterte Bißverletzungen bei Kindern, die oft äußert kompliziert sind. Das Gebiss des Hundes als Aas- bezw. Allesfresser ist sehr stark mit Keimen belastet, so dass hochdosiert Antibiotika verabreicht werden müssen. Gesichtsverletzungen hinterlassen häufig unschöne Narben. Interessant war von der Ärztin zu hören, dass die meisten Bißverletzungen im Haushalt, also von den Familienhunden passieren.

Bezüglich des Kotaufkommens berichtete eine Hundebuchautorin aus Hamburg von ihren Erfahrungen, dass die „Kot-Tüten-Spender“ nicht regelmäßig nachgefüllt würden. Das wäre mit ein Grund, warum die Hinterlassenschaften der Hunde nicht aufgehoben würden. Sie berichtete aus den USA, wo inzwischen in der Stadt New York ein „Hundehaufen“ 1000 Dollar Strafe kostet. Die Moderatorin zeigte zu diesem Thema einen Beitrag aus der Stadt Dresden. Dort erwägt die Stadtverwaltung, eine Gen-Datei für Hunde anzulegen, um so den „Kot-Sündern“ auf die Spur zu kommen.

Ein Filmbeitrag über Parkranger in Hamburg zeigte, dass der Leinenzwang in öffentlichen Parks fast ausschließlich ignoriert würde. Während der Sendung kam das Publikum zu Wort und  es meldeten sich Zuschauer per Telefon, Fax  oder E-Mail. Es war ein sehr kontroverser Meinungsaustausch.---  Soviel grob über den Inhalt der Sendung.

 

Meine Bemerkungen zur artgerechten Hundehaltung

Seit Jahrtausenden lebt der Hund in enger Verbindung mit dem Menschen, als Arbeitshund, Begleithund oder auch Schoßhund. Die Arbeiten, die ein Hund leisten kann, sind sehr vielfältig. Er ist Wächter der Viehherden wie auch Hütehund, als Wachhund häufig degradiert zum Kettenhund oder in Einzelhaft im Zwinger. Als Jagdhund für die vielen Varianten der Jagd – je nach Wildart – nutzt der Mensch den angeborenen Jagdtrieb. Alle Hunde stammen nun mal vom Wolf ab. Der Wolf als Wildtier muss zum Überleben Beute machen. Seine Beute sind Rehe, Wildschweine und andere kleine Wildtiere. In der Nähe von besiedelten Gebieten wird auch schon mal ein Schaf oder Kalb gerissen. Der Wolf ist sehr vorsichtig und scheu. Menschen sind durch den Wolf nicht in Gefahr. Den Beutetrieb, der beim Hund noch stark ausgeprägt ist, macht sich der Mensch zu nutze und nutzt diese „Begabung“ für sich aus. Ein gezieltes Training (Ausbildung) bei der Jagd macht den Hund zum Helfer beim „Beutemachen“ des Menschen. Auch ein Königspudel ist ein Jagdhund, nur mit Schere, Kamm und Bürste ist er zu dem geworden, wie wir ihn heute kennen. Er ist zum Gesellschaft- und Begleithund und die Zwergengröße zum Schoßhund geworden.

Der Mensch hat seinen Freund und Helfer durch gezielte Zucht für ganz spezielle Aufgaben geschaffen. Außer als Jagdhund war er früher Zugtier für kleine Wagen. Im hohen Norden als Schlittenhunde, was auch hier als Sport betrieben wird. Blindenhunde gibt es auch schon sehr lange. Suchhunde, die Leichen, Rauschgift, Sprengstoff, verschüttete Menschen etc. finden. Rettungshunde, die fast unglaubliche Leistungen vollbringen. Seit einiger Zeit auch Therapiehunde und solche, die behinderten Menschen im Alltag helfen. Vielleicht habe ich sogar noch Aufgabenbereiche vergessen.

All die vor beschriebenen Aufgaben der Hunde ist für sie Arbeit. Wenn der Wolf auf Jagd geht, um Beute zu machen, so ist das für ihn auch Arbeit. Nach erfolgreicher Jagd wird die Beute vom Rudel gefressen, das ranghöchste Tier bekommt das beste Stück und das, bevor alle anderen ihren Hunger stillen können. Danach ist Ruhe im Rudel und wenn der nächste Hunger kommt, müssen sie wieder arbeiten, um erneut Beute zu machen.

Unsere Hunde werden pünktlich mit Futter bester Qualität versorgt, es wird ihnen vorgesetzt, sie brauchen also nicht dafür zu arbeiten. (Es sind ja auch keine Wölfe mehr, doch viele seiner Gene sind noch vorhanden.) Der Haushund braucht aber seine Arbeit, also muss die Jagd nach Beute in Form ausgiebiger Spaziergänge oder Radtouren nachempfunden werden. Und das unbedingt vor der Mahlzeit! (Magenumdrehung!) Unser Rhodesian-Ridgeback gehört lt. Gruppeneinteilung der FCI zu den Laufhunden. Das bestätigt sich täglich aufs Neue. Um unseren RR artgerecht zu halten, müssen wir seinem Laufbedürfnis unbedingt nachkommen. Meine ausgewachsenen, vollentwickelten RR  laufen täglich 1 – 1 ½ Stunden am Fahrrad. Neben der physischen Arbeit tut allen Hunden auch psychische Beschäftigung gut. Ideal sind Unterordnungsübungen. Beides mit Fingerspitzengefühl machen einen ausgeglichenen, zufriedenen Hund. Ein Hund kann und darf nicht nur als Anschauungsobjekt auf dem Sofa liegen und bestenfalls zur Verrichtung seiner Notdurft vor die Tür gelassen werden. Und wenn schon auf dem Sofa, dann nur, wenn der Rudelführer (Mensch) es ihm gestattet und nicht, wenn der Hund seinen Anspruch geltend macht.

Das Vorbeschriebene trägt zum Wohlbefinden von Körper und Geist des Hundes  bei. Im Gegensatz zum Wolf muss sich unser Haushund in einer mehr oder weniger dicht besiedelten Umwelt zurechtfinden und auch wohlfühlen! Die Umweltreize muss der Hund kennen lernen! Das fängt schon in der Wiege, also beim Züchter an. Sowie die Sinne Hören und Sehen sich entwickelt haben muss ein seriöser Züchter aktiv werden. (s. Entwicklungsphasen) Es reicht nicht, die Welpen nur zu füttern und  ansonsten sich selbst zu überlassen. Eine weite Palette  qualitativ hochwertiger Futtersorten hält der Fachhandel bereit. (Ein unseriöser Hunde-Vermehrer hat diesbezüglich keine Probleme!) In der 4. bis 7. Woche  findet die Prägungsphase statt, in der der Welpe alles, was in Haus und Garten so passiert, ertragen muss. Die wesensfeste Mutterhündin ist ja immer anwesend, so dass die Welpen sich sicher fühlen. Die Geschehnisse um sie herum empfinden sie nicht als bedrohlich. Ab der 8. Woche beginnt die Sozialisierungsphase, die in die Rangordnungsphase übergeht bis zur Rudelordnungsphase und schließlich in die Pubertät und Reifezeit. Professionelle Hilfe und diverse Artgenossen findet man in der Hundeschule, die man inzwischen flächendeckend finden kann. Wenn man all dieses mit Sachverstand und Konsequenz beherzigt, inklusive des Arbeitspensums, hat man einen ausgeglichenen, gut sozialisierten und leichtführigen Hund.

Das Thema Kind und Hund ist ein sehr schwieriges. Immer wieder sieht man auf Homepages und in Hundezeitschriften Bilder, die Hunde mit Kleinkindern zeigen. Es soll damit dokumentiert werden, dass die Hunde kinderlieb sind. Es geht sogar soweit, dass behauptet wird, dass eine bestimmte Hunderasse kinderlieb ist. Es gibt keine Hunderasse, die kinderlieb ist. Der Hund muss an Kinder gewöhnt werden und umgekehrt müssen Kinder lernen, wie sie mit einem Hund umgehen müssen. Auf keinen Fall darf man Hund und Kind ohne Aufsicht lassen. Der Hund ist nicht das letzte Glied in der Rangordnungskette sondern das sind unsere Kinder. Der Wolf wird versuchen, seinen Gegner immer im Nacken zu fassen. Das macht eben auch unser Hund, was bei Kindern zu einer Katastrophe führen kann. Damit es nicht dazu kommt und wir den Medien kein Futter geben, sollten wir das Hunde-ABC beherrschen. (Mehr zu Kind und Hund im Beitrag von Colette Pillonel, Ch Bern, „Kind und Hund“ an dieser Stelle meiner HP.) Bei großen Menschenansammlungen, insbesondere Kindergruppen, sollte man seinen Hund immer an die Leine nehmen, auch wenn er ohne Leine gut bei Fuss gehen würde. Ich kann nicht erwarten, dass alle Menschen Hundekenner oder –liebhaber sind. Ein angeleinter Hund, besonders wenn er groß ist wie ein Rhodesian-Ridgeback, wirkt auf ängstliche Menschen weniger bedrohlich.

Bevor man sich einen Hund anschafft, sollte  sich jeder überlegen, ob man die erforderliche Zeit für ihn hat. Es genügt nicht der große Garten am Haus. Der Rudelführer Mensch muss die Zeit haben, dem Hund die tägliche Arbeit zu verschaffen. Und wenn der Rudelführer mit dem Hund unterwegs ist, muss er ihn ständig im Auge behalten. In evtl. kritischen Situationen muss ich konsequent eingreifen können, in welcher Form auch immer. Oft sehe ich Mütter mit kleinen Kindern und Hund beim Spazierengehen. Das mag gehen, wenn der Hund schon den Ausbildungsstand eines Begleithundes hat. Ansonsten braucht der Hund meine volle Konzentration und die kann ich nicht aufbringen, wenn ich mein Kind auch noch bei mir habe. In Gefahrensituationen rangiert mein Kind selbstverständlich vor meinem Hund.

Nun habe ich nur vom „Köter“ geschrieben und möchte zum Schluss noch auf den „Kot“ zu sprechen kommen. Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass man die Hinterlassenschaften seines Hundes nicht auf dem Gehweg oder in den Grünanlagen einfach liegen lässt. Haben Sie schon mal aus einer Profilsohle Hundekot entfernt? Wahrlich kein Vergnügen!  Meine Erfahrungen, die ich in meinem Umfeld mache, dienen nicht gerade dazu, das Image der Hundeleute zu heben. Da hilft wohl auch nur ein Bußgeld wie in New York. In Singapur, angeblich der saubersten Stadt der Welt,  kostet es eine Geldstrafe, wenn jemand in der Stadt auf offener Straße „ausspuckt“. (Das ist ausgesprochen ekelig, aber man sieht es hier leider gelegentlich immer wieder.) Dazu passend ein kleiner Artikel aus der HAZ vom 25.04.05, „Spucken auf Straßen kann teuer werden“

Zum Schluss noch ein Hinweis auf die jedes Jahr vom 01.04. bis 15.07. andauernde Brut- und Setzzeit, in der unsere heimischen Wildtiere ihren Nachwuchs bekommen. Das bedeutet für unsere Hunde im Wald und auf freiem Feld absolute Anleinpflicht. Der Beutetrieb unserer Hunde würde sonst so manchem Junghasen etc. das Leben kosten. Missachtung kostet hier in Hannover 100 EUR Bußgeld. Auch dazu hier ein Leserbrief der HAZ vom 25.04.05.

Hierzu ein Zeitungsartikel aus der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vom 14. April 2005 TiHo spricht Kampfhunde frei“. Des Weiteren ein Foto von mir mit 4 Hunden (Link folgt) am Fahrrad.